Manche Menschen haben es leider so an sich, dass sie uns gern ihre Trume erzhlen, die doch meist nichts weiter sind, als die zweifelhaften Belustigungen in der Kinder- und Bedientenstube des Gehirns, nachdem der Vater und Hausherr zu Bette gegangen. Aber alle Menschen, ausgenommen die Damen, sind mangelhaft. So spricht der Weise. 

Dies mge uns ein pdagogischer Wink sein. Denn da wir insoweit alle nicht nur viele groe Tugenden besitzen, sondern zugleich einige kleine Mngel, wodurch andere belstigt werden, so drften wir vielleicht Grund haben zur Nachsicht gegen einen Mitbruder, der sich in hnlicher Lage befindet. 

Auch Freund Eduard, so gut er sonst war, hub an, wie folgt zu sprechen. 

Die Uhr schlug zehn. Unser kleiner Emil war lngst zu Bett gebracht. Elise erhob sich, gab mir einen Kuss und sprach: - Gute Nacht, Eduard. Komm bald nach. Es war doch erst so gegen zwlf, nachdem ich, wie gewohnt, noch behaglich grbelnd ein wenig an den Grenzen des Unfassbaren herumgeduselt, tat ich den letzten Zug aus dem Stummel der Havanna, nahm den letzten Schluck meines Abendtrunkes zu mir, stand auf, ghnte vernehmlich, denn ich war allein, und ging gleichfalls zur Ruhe. 

Eine Weile noch, als ich dies getan, starrte ich, auf der linken Seite liegend, ins Licht der Kerze. Mit dem Schlage zwlf pustete ich sie aus und legte mich auf den Rcken. Vor meinem inneren Auge, wie auf einem gewimmelten Tapetengrunde, stand das Bild der Flamme, die ich soeben gelscht hatte. Ich betrachtete sie fest und aufmerksam. Und nun, ich wei nicht wie, passierte mir etwas Sonderbares. 

Mein Geist, meine Seele, oder wie man es nennen will, kurz, so ungefhr alles, was ich im Kopfe hatte, fing an sich zusammenzuziehen. Mein intellektuelles Ich wurde kleiner und kleiner. Erst wie eine mittelgroe Kartoffel, dann wie eine Schweizerpille, dann wie ein Stecknadelkopf, dann noch kleiner und immer noch kleiner, bis es nicht mehr ging. Ich war zum Punkt geworden. 

Im selben Moment erfasste mich es, wie das geruschvolle Sausen des Windes. Ich wurde hinausgewirbelt. Als ich mich umdrehte, sah ich in meine eigenen Nasenlcher. 

Da sa ich nun auf der Ecke des Nachttisches und dachte ber mein Schicksal nach. 

Ich war nicht blo ein Punkt, ich war ein denkender Punkt. Und rhrig war ich auch. Nicht nur eins und zwei war ich, sondern ich war dort gewesen und jetzt war ich hier. Meinen Bedarf an Raum und Zeit also machte ich selber, ganz en passant, gewissermaen als Nebenprodukt. 